St. Marein ist ein geschichtsträchtiger Ort – Es geht hier um LEBENDIGES und KULTURELLES ERBE! Dass es heute in jedem Geschäft bereits Bio-Produkte zu kaufen gibt, hat eine Historie, die uns im St. Mareiner Einzugsgebiet weit näher ist, als viele wissen oder erahnen!
St. Marein bei Graz gilt als einer der bedeutendsten Ausgangspunkte des organisch-biologischen Landbaus in Österreich. Hier schlossen sich bereits in den 1960er-Jahren Bauern zusammen, um neue Wege einer naturgemäßen Landwirtschaft zu erproben. Aus ihren Erfahrungen entstanden Grundlagen, die später die Entwicklung des biologischen Landbaus weit über die Region hinaus prägten.
Dazu eine kleine Geschichte:
Das Dorf, das dem Boden zuhörte
Wer heute nach St. Marein kommt, sieht sanfte Hügel, grüne Wiesen, Obstgärten und Felder. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein ganz normales Dorf.
Doch wer genauer hinsieht, entdeckt etwas Besonderes. Denn vor vielen Jahren begann hier eine Geschichte, die weit über die Grenzen des Dorfes hinauswachsen sollte. Eine Geschichte von mutigen Bauern, einem weisen Lehrer und einem großen Geheimnis.
Dieses Geheimnis lag nicht in einer Schatzkiste verborgen.
Es lag direkt unter ihren Füßen. Im Boden.
Vor mehr als sechzig Jahren lebten in St. Marein Bauernfamilien, die wie viele andere hart arbeiteten. Die Zeiten waren nicht immer leicht. Geld war knapp, die Arbeit schwer und viele Menschen glaubten, dass man nur mit immer mehr Maschinen und chemischen Zusatzstoffen zur Düngung und gegen Unkraut eine gute Zukunft haben könne.
Doch einige Bauern stellten sich eine andere Frage: „Was braucht die Erde eigentlich?“
Die Antwort fanden sie nicht in Büchern. Sie fanden sie in der Natur. Sie beobachteten die Wiesen, die Regenwürmer, die Pflanzen und die Tiere. Sie sahen, dass in der Natur alles miteinander verbunden war. Nichts entstand allein. Alles war Teil eines großen Kreislaufs.
Eines Tages kam ein ganz besonderer Mann ins Dorf. Er war weit gereist und hatte viele Höfe gesehen. Doch das Wichtigste, das er mitbrachte, war kein Werkzeug und keine Maschine. Es war eine Idee.
„Der Boden lebt“, sagte er.
Die Bauern schauten sich erstaunt an.
Ein lebendiger Boden?
Der Mann nickte.
„Wenn wir den Boden gesund erhalten, versorgt er die Pflanzen. Die Pflanzen versorgen die Tiere und die Menschen. Alles gehört zusammen.“
Manche Dorfbewohner fanden diese Gedanken spannend. Andere schüttelten den Kopf. Denn die Idee war neu und ungewöhnlich. Doch eine Handvoll Bauern von St. Marein beschlossen, es auszuprobieren. Von da an trafen sie sich regelmäßig. Einmal auf diesem Hof, dann auf jenem. Sie gingen gemeinsam über die Felder, tauschten Erfahrungen aus und lernten voneinander. Sie beobachteten ihre Äcker mit einer Neugier und Achtsamkeit von Forschern. Sie achteten auf die Natur wie gute Freunde. Und sie begannen zu verstehen, dass die Erde mehr zurückgibt, wenn man sie mit Respekt behandelt. Nicht alle glaubten an ihren Weg.
Kaum einer glaubte an ihren Weg. Einige lachten sogar über sie. Andere hielten sie für Träumer. Doch die Bauern machten weiter. Nicht weil sie reich werden wollten. Sondern weil sie überzeugt waren. Sie waren überzeugt, dass gesunde Lebensmittel nur auf gesundem Boden wachsen können.
Jahr für Jahr lernten sie dazu. Sie sahen, wie ihre Böden fruchtbarer wurden. Wie ihre Lebensmittel besonders gut schmeckten. Und wie immer mehr Menschen Interesse an ihrem Weg fanden.
Bald kamen Besucher aus anderen Dörfern. Dann aus anderen Regionen. Schließlich sogar aus anderen Bundesländern. Sie wollten sehen, was hier in St. Marein geschah. Denn aus den Gesprächen einiger Bauern war etwas Größeres entstanden. Eine Bewegung.
Eine Idee, die heute auf der ganzen Welt bekannt ist.
Heute nennen wir sie Bio.
Doch hier begann sie als etwas viel Unspektakuläreres und wohl gerade deshalb als etwas Revolutionäres: Respekt vor der Erde, Verantwortung für kommende Generationen. Vertrauen in die Natur. Achtsamkeit im Miteinander.
Wer heute durch St. Marein spaziert, wandert deshalb nicht nur durch eine schöne Landschaft, die wirken mag, als läge sie noch im Dornröschenschlaf. Er bewegt sich auch durch einen Ort voller Geschichte.
Einen Ort, an dem Menschen den Mut hatten, anders zu denken. Einen Ort, an dem Bauern gelernt hatten, dem Boden zuzuhören.
Und vielleicht ist genau das das größte Geheimnis von St. Marein: Dass große Veränderungen manchmal ganz klein beginnen.
Mit einer Frage. Mit einer Idee.

Heute stehen wir wieder an so einem Punkt. Wieder gibt es eine Handvoll Menschen, die diesen Pioniergeist nicht verlöschen lassen wollen, die das Feuer wie eine Fackel gerne weitertragen wollen – für uns und für künftige Generationen. Große Veränderungen beginnen manchmal ganz klein. Mit einer Frage. Mit einer Idee. Oder mit Menschen, die den Mut haben, die nächste Etappe des begonnen Weges aus vollem Herzen zu gehen.
